Ein Fotoprojekt beginnt selten mit einem großen Plan. Es war ein Juliabend 2025, als ich mit der Canon EOS 5D Mark IV und dem 24-70mm-Zoom auf die Peißnitz spazierte — ohne festes Ziel, nur auf der Suche nach gutem Licht. Die Insel war belebt, die Linden warfen lange Abendschatten auf den gepflasterten Uferweg. Als ich an der verwitterten Bank am Saaleufer stand und den Blick auf den Fluss genoss, ahnte ich noch nicht, dass aus diesem Spaziergang ein Langzeitprojekt werden würde.
Heute, im Januar 2026, stapfe ich durch frischen Schnee an der gleichen Stelle. Die Bank verschwindet unter einer weißen Decke, die Linden sind kahl, die Stille fast vollständig. Dieselbe Insel — eine andere Welt.
Sommer auf der Peißnitz
Am 6. Juli 2025 war die Insel ein grüner Dom. Die mächtigen Stämme alter Linden säumten die Allee wie Säulen, und zwischen ihnen — ein Feuerwehrauto mit Blaulicht, das Staubwolken aufwirbelte, während ein Radfahrer in orangefarbenem T-Shirt vorauseilte. Das war das erste Bild dieser Reihe: Feuerwehreinsatz auf der Peißnitz, aufgenommen mit der Canon 5DS R bei 70mm und ISO 3200. Der Alltag auf der Insel — ungeplant, lebendig.
Zwei Wochen später, am 20. Juli, saßen zwei Menschen am Saaleufer und unterhielten sich. Im warmen Gegenlicht wurden sie zu Silhouetten am Saaleufer — eingefangen mit dem 70-200mm bei 190mm aus respektvoller Distanz. Das Sonnenlicht glitzerte auf dem Wasser hinter ihnen. Ein stiller Sommermoment, der die Lebensqualität an der Saale auf den Punkt bringt.
Am 25. Juli dann noch einmal — diesmal aus Bodenperspektive. Ein dunkler Baumstamm vor cremigem Bokeh aus Grüntönen: Sommergrün auf der Peißnitz. Und am gleichen Tag die Bank am Saaleufer im Abendlicht, mit Kletterwand im Hintergrund und Cumuluswolken am Horizont — 24mm, ƒ/7.1, das gesamte Bild in einem einzigen Weitwinkelblick.
Kameraeinstellungen Sommer
- Kameras: Canon EOS 5D Mark IV (für Menschen, Licht, Atmosphäre) · Canon EOS 5DS R (für Strukturen, Architektur, Tele)
- Objektive: EF24-70mm f/2.8L II (Weitwinkel bis Normal) · EF70-200mm f/2.8L IS II (Porträt und Kompression)
- Besonderheit: Hohes ISO (bis 3200) tagsüber, um kurze Verschlusszeiten zu erzwingen und Bewegung einzufrieren
Spätsommer: Das Laternenfest
Ende August bringt das Laternenfest auf die Peißnitz, was Halle von seiner anderen Seite zeigt: volksfesttauglich, laut, bunt. Am 30. August 2025 reihen sich weiße Pagodenzelte und ein orangefarbenes Karussellzelt vor den mächtigen Laubbäumen — und im Vordergrund liegt eine große Regenpfütze, die die gesamte Szenerie perfekt spiegelt.
Das Bild Laternenfest-Spiegelung ist ein Glücksfall: Die Pfütze verdoppelt alles — Zelte, Bäume, Cumuluswolken. Bei 28mm und ƒ/7.1 bleibt alles scharf, von der Spiegelung bis zur Tiefe des Festgeländes. ISO 100, 1/400s — das Abendlicht reichte gerade noch.
Winter: Die entkleidete Insel
Am 26. Januar 2026 schneite es in der Nacht. Ich ging früh los, die Fujifilm X-E5 mit dem XF23mm f/2.8 R WR in der Hand — ein leichtes Setup für Schnee und Kälte. Die Peißnitz empfing mich mit einer Stille, die ich so noch nicht erlebt hatte.
Die erste Aufnahme: Winterliche Symmetrie. Zwei Parkbänke, perfekt symmetrisch, mit frischem Schnee überzogen. Ein schräg gewachsener Baum durchbricht die strenge Geometrie. Bei 35mm und ƒ/7.1 bleibt alles scharf — der grafische Charakter der Szene verlangte nach Schärfe in der Tiefe.
Dann die Brücke. Leer. Unberührt. Die symmetrisch zulaufenden Metallgeländer ziehen den Blick in die Tiefe, wo schneebeladene Äste einen natürlichen Tunnel bilden. Das ist Der Weg über die Brücke — eine Komposition, die sich förmlich anbietet, sobald man davor steht.
Kurz darauf die gleiche Brücke — aber diesmal mit einer Person. Eine Frau geht allein durch den Tunnel aus Ästen und Schnee. Ihre Silhouette ist kaum vom Winter zu trennen: Allein auf der Brücke. Das Bild entstand in Sekundenbruchteilen, als sie in meinen Sucher trat.
Am Ufer der Wilden Saale dann eine der schönsten Szenen des Jahres: Schneebedeckte Bäume beugen sich über das dunkle, ruhige Wasser und erzeugen perfekte Spiegelungen. Ein mächtiger Ast spannt sich bogenförmig über die gesamte Bildbreite — Winterzauber an der Wilden Saale. Keine Filter, kein Nachbearbeitung der Stimmung. Die Wilde Saale macht das selbst.
Weiter im Inneren der Insel: ein steinerner Obelisk, umringt von kahlen Laubbäumen, im Winterschlaf. Die offene Komposition lässt das Denkmal klein und verloren wirken — Winterlandschaft als Memento mori.
Das letzte Bild des Tages: Die Allee auf der Peißnitz. Dieselbe Lindenallee wie im Sommer — aber jetzt ohne Laub, ohne Dach, ohne Schatten. Nur Stämme und Äste gegen den grauen Januarhimmel.
Kameraeinstellungen Winter
- Kamera: Fujifilm X-E5 (leichter, wetterfest — ideal für Schnee)
- Objektiv: Fujinon XF23mm f/2.8 R WR (entspricht 35mm Vollformat)
- Belichtungskorrektur: +1 bis +1,5 EV bei Schnee — die Kamera will Grau, nicht Weiß
- ISO: 160–400 (das Winterlicht reicht tagsüber noch für niedrige Werte)
Was noch fehlt
Das Projekt ist nicht abgeschlossen. Frühling und echter Herbst fehlen noch. Der Frühling bringt Krokusse und Buschwindröschen bevor die Bäume schließen — das beste Licht des Jahres auf dem Waldboden. Der Herbst verwandelt die Lindenallee in einen goldenen Tunnel.
Beide Jahreszeiten werden kommen. Die Peißnitz läuft nicht weg.
Dieser Artikel ist Teil der Serie Halle im Wandel — eine fotografische Dokumentation, wie sich die Stadt durch die Jahreszeiten verändert. Neue Folgen erscheinen unregelmäßig, wenn Licht, Wetter und Gelegenheit stimmen.